Familientherapie

"Familie ist wie ein Baum. Die Zweige können in unterschiedliche Richtungen wachsen, doch die Wurzeln halten zusammen." (unbekannt)

  • Biografie-Arbeit
  • Lebensflussmodell
  • Teilearbeit mit Figuren
  • Arbeit am Systembrett

Systemische Familientherapie

Kerngedanke der Systemischen Therapie ist die Annahme, dass der Schlüssel zum Verständnis und zur Veränderung von Problemen weniger in der behandelten Person allein liegt, sondern im (familiären) Zusammenhang, in dem das Problem steht, zu finden ist.

 

Systemische Therapie ist an Beziehungsprozessen der Personen interessiert, die an der Entstehung und Aufrechterhaltung eines Problems beteiligt, und daher auch für Veränderungs- und Lösungsprozesse von Bedeutung sind. Dazu gehören nicht unbedingt nur Familienmitglieder, auch andere Personen oder Institutionen können von Bedeutung sein (die beteiligten Personen müssen bei einer Systemische Therapie jedoch nicht unbedingt anwesend sein).

 

In systemischen Therapien werden oft metaphorische Techniken eingesetzt, insbesondere sogenannte Skulpturen. Dabei werden beispielsweise Familienmitglieder von einer Person derart im Raum aufgestellt, so dass die Position und Haltung der Mitglieder ein Bild ihrer familiären Beziehungen ergibt. Das mittlerweile recht bekannte "Familienstellen nach Hellinger" stellt eine spezifische Variante dieser Technik dar, die in Fachkreisen zum Teil sehr kritisch gesehen wird.

 

Der systemische Erklärungsansatz und somit die systemische Familientherapie geht davon aus, dass jede Familie bemüht ist, eine Einheit herzustellen, d.h. ein Gleichgewicht zu halten.

Der Begriff Homöostase wurde von Jackson (1957) in die Familientherapie eingeführt. Ist dieses Gleichgewicht gefährdet, so mobilisieren die Familienmitglieder Kräfte, es zu halten. Besondere Belastungen wie Arbeitslosigkeit, Umzug, Krankheit, aber auch Pubertät eines Kindes stellen eine Gefährdung bzw. Belastung für das Familiensystem dar und können das Gleichgewicht stören. Entscheidend beeinflusst wird dieses Gleichgewicht durch die eheliche Beziehung der Eltern. Die Ehebeziehung ist die Achse, um die herum alle anderen Beziehungen geformt werden. Die Ehepartner sind die „Architekten“ der Familie. Wenn diese Beziehung gestört ist, so können die Eltern ihren elterlichen aufgaben nicht richtig nachkommen. Die Folge davon ist, dass ein oder mehrere Kinder darunter so stark „leiden“, dass sie mit

 

Störungen/Auffälligkeiten reagieren. Oft hat es den Anschein, als bräuchte die Familie diese Störungen sogar, um ihr Gleichgewicht zu halten, d. h. weiterexistieren zu können. Maßgebend sind somit immer die wechselseitigen Beziehungen untereinander. Verändert sich ein Verhaltensmuster, so hat dies Auswirkungen auf alle anderen Mitglieder, also auf das System als Ganzes. Dies ist vergleichbar mit einem Mobile: wenn ich einen Faden des Mobile abtrenne oder nur etwas verlagere, so verändert sich das Mobile als Ganzes.

Die zentrale Frage, die sich ein systemisch arbeitender Familientherapeut in jedem Fall stellen sollte, ist: „Welche Funktionen haben Verhaltensauffälligkeiten innerhalb eines Familiensystems?“. Diese Frage kann somit beantwortet werden:

 

Durch auffälliges Verhalten eines Kindes wird der Schwerpunkt von der eigentlichen Problematik (oft die ungelöste Eheproblmatikder Eltern) abgelenkt. Nicht die Eltern, sondern ein oder mehrere Kinder werden zum Problem, auf die man seine Aufmerksamkeit lenkt. Verhaltensauffälligkeiten werden aus systemische Sicht stets als Resultat von Beziehungsstörungen gesehen. Die systemische Betrachtungsweise sieht alle Verhaltensweisen, auch die problematischen, störenden, als positiv an , da sie eine wichtige Funktion zum Erhalt des Systems haben. Familiensysteme können so recht lange stabil bleiben. Erst wenn die Auffälligkeiten so massiv werden, dass die Umwelt darauf aufmerksam wird, gerät das System in Gefahr oder die Familie selbst sucht die therapeutische Behandlung auf.