Ist Euer Beziehungskonto noch im Plus?

Der Zeitgeist spricht heute nicht mehr gern von „Erziehung“. Das Unwort „Erziehung“ wird ersetzt durch das Zauberwort „Beziehung“. Fast scheint es, als käme es nur noch auf die „richtige“ Beziehung zu unseren Kinder an und schon "funktioniert" das Familienleben problemlos. Das klingt nicht schwer. Oder doch? Im Alltag stehen wir mit vielen Menschen in Beziehung, eine ganz besondere ist jedoch die zu unseren Kindern. Je nach Situation und Lebensphase kann sich die Qualität der Beziehung verändern. Eine gute Beziehung in sonnigen, glücklichen Zeiten, in anderen Momenten sieht man vor lauter Wolken kein Licht am Horizont.

 

Was tun, wenn die Beziehung zu unserem Kind temporär immer wieder getrübt ist? Konflikte festgefahren sind, jeder Versuch, in einer positiven Beziehung zu bleiben oder auch wieder zu kommen, zu weiteren Spannungen oder gar zu einer Eskalation führt?

 

 Steve R. Covey, amerik. Managementberater und 9facher Vater, vergleicht in seinem Buch „7 Wege zur Effektivität“ die Qualität von Beziehungen mit der Metapher eines emotionalen Beziehungskontos.

 

Ein Beziehungskonto funktioniert wie jedes andere Konto auch. Der Kontostand steigt mit jeder Einzahlung und reduziert sich bei Abbuchungen. Wie der Name schon sagt, geht es bei diesem Konto jedoch nicht um geldwerte Anlagen, sondern um die Investition in unsere wichtigsten Beziehungen. Steht mein emotionales Beziehungskonto für meine Kindern weit im Plus, ist die Beziehung geprägt von Vertrauen, Sicherheit und Achtsamkeit. Die Kommunikation ist offen, alle Gefühle und Gedanken dürfen benannt werden. Ist das emotionale Konto gut gedeckt, können Abbuchungen in Form von „Fehlern“ wieder ausgeglichen werden.

 

Steht das Konto jedoch nur knapp in den schwarzen Zahlen oder ist es bereits überzogen, kann dies zu Vertrauensverlust führen, Unsicherheit oder auch dem Gefühl, nicht geliebt zu werden. Kinder reagieren mit Aggression oder auch Rückzug, wir finden nur schwer Zugang.

 

Für ein Beziehungskonto ist es nie zu spät. Wie auf einem Bankkonto auch, zahlt sich ein langjähriges, ausgeglichenes emotionales Guthaben in späteren Jahren aus. Die Zinsen finden sich dann in einer stabilen, offenen, vertrauensvollen Beziehung, auch in schwierigeren Zeiten. Ein gutes  emotionales Polster auf unserem Beziehungskonto wirft langfristig wertvolle Zinsen ab. Wir überstehen auch stürmische Zeiten, so schnell kann uns nichts aus Bahn bzw. Beziehung werfen.

 

Klassische Abbuchungen sind mangelnde Zeit, Ignoranz, Vertrauensmissbrauch, Achtlosigkeit,  Desinteresse, autoritäres Verhalten, wie Vorwürfe und Drohungen), nicht eingehaltene Absprachen.

 

Mögliche Einzahlungen können sein: sich mehr Zeit nehmen, aktiv zuhören, Interesse zeigen, respektvoll und ehrlich miteinander umgehen, Verzeihen können, Vertrauen schenken, loyal sein, aber auch kleinere Einzahlungen, eine aufmunternde Bemerkung, Anerkennung zeigen, wenn was gut läuft, z. B. durch „Daumen hoch“, Zwinkern, Take 5, Liebe zeigen durch spontane Umarmung, über die Haare streichen.

 

Wie sieht es in Deiner Familie, in Deiner Partnerschaft aus? Wann hast Du das letzte Mal eine Einzahlung getätigt? Hast Du vielleicht den einen oder anderen emotionalen Dauerauftrag laufen? Ich freue mich auf Eure Antworten!

Kommentar schreiben

Kommentare: 0